Früher war das Leben in der IT-Administration noch leichter. An den UNIX-Servern hingen noch echte Terminals oder wahlweise auch ein Terminalconcentrator. Bei X86-Rechnern erfolgte die Konsolensteuerung über einen KVM-Switch. Medien wie Bänder oder CDs wurden meistens einfach ins lokale Laufwerk des Rechners gesteckt oder im Netz freigegeben.
Irgendwann war die Technik dann doch überholt (Packungsdichte, etc.) – das Zauberwort lautete nun “Remote management”. Jeder Server brauchte jetzt einen Serviceprozessor, oft “Remote System Controller” oder “Light Out Manager” genannt. Der Grundgedanke war schön, über LAN sollte der Rechner bedienbar wie eine Konsole sein und dazu noch Gimmicks wie Remote Power Management bieten. Im X86-Bereich sollte dann das i-Tüpfelchen die Möglichkeit sein, ein am PC vorhandenes Laufwerk/ISO-Image remote als emuliertes lokales Laúfwerk zur Verfügung zu stellen.
Das hörte sich besser als erwartet an, die Realität sah aber so aus:
- bei Sun gibt es für UNIX-Server folgende LOMs: SC (SF6800), RSC (V490), XSCF (M9000), ALOM (T2000), ILOM (T5240) und für X64-Server diese: ILOM (X4100M2), ELOM (X4150)
- eine identische Bedienung wäre schön gewesen, zumindest pro Prozessorwelt
- abgesehen von der teils unterschiedlichen LOM-Bedienung gefallen die UNIX-Varianten noch am Besten – eine textbasierte Solaris-Installation (ohne JET) läuft ohne Probleme (o.k., für die F-Tasten muß gelegentlich als Ersatz die Kombination ESC+Zahl herhalten)
- Die Einstellung einer funktionierenden deutschen Tastatur ist bei den X64-Ablegern nicht immer möglich, der autologout-Timeout ist oft problematisch und das Verbinden lokaler PC-Laufwerke eher Glücksache
Ernüchtert von diesen Erkenntnissen habe ich mich heute über ein iRMC eines RX200S4-Servers von FSC gestürzt. Unschön ist hier schon mal die Lizenz, die dafür extra fällig wird – aber das kennt man bei FSC ja auch schon aus der Vergangenheit von nutzlosen RAID-Controllern mit kostenpflichtiger Aktivierung. Das Management Interface ist nicht wie bei SUN seriell und per LAN erreichbar, der serielle Anschluß fehlt. Für die Erstkonfiguration wird man also zur Nutzung eines DHCP-Servers genötigt. Die Konfiguration der Bootreihenfolge im BIOS und nachfolgende Auswirkungen entziehen sich meiner Logik. Warum die Kiste von einer W2K3SP1-CD dann irgendwann bootet, aber die mitgelieferte Serverstart-CD verschmäht, muß man nicht verstehen. Warum das danach aber per remote-Laufwerk funktioniert erst recht nicht… aber bitte nur remote storage auf einem PC mit Windows XP…
Erfahrungen von Kollegen mit dem Remote Management des IBM Blade Centers verleiten auch nicht unbedingt zur Fahnenflucht zu Big Blue.
Wird hier eigentlich nur Bullshit produziert oder sehe ich das einfach zu eng?
es gibt wohl kaum einen der sich mit sun-eisen beschäftigt und sich nicht auch schon über diese tausend unterschiedlichen *LOMs aufgeregt hat.
Ich kenne bislang nur die ALOM dinger von den SunFire v24x und T2000 Kisten und das XSCF von den Primepower Geräten. Das ALOM hat mir sehr gut gefallen, beim XSCF ist mir vor allem die unpraktische Erstkonfiguration aufgefallen. Ich lese, dass die M9000 auch ein XSCF hat, wie sieht das bei den M4000 Maschinen aus?
Gruß
Christian
siehe Doku XSCF: http://docs.sun.com/source/819-6202-13/index.html
M4000/M5000/M8000/M9000 sind mit XSCF ausgestattet. Das liegt daran, daß Sun zwischen UltraSparc IV+ und zukünftigem ROCK keine eigene vernünftige CPU im Midrange- und Enterprise-Umfeld bieten konnte und auf die Olympus-CPUs von Fujitsu zurückgreifen mußte.
Die ganze Hardware der M-Serie kommt von Fujitsu, die XSCF als Remote Management benutzen. FSC bedient sich bei den Primepower-Servern schon immer von Fujitsu. Im Gegenzug wurden die Server mit UltraSparc T1 und T2 CPUs bei FSC mit ins Sortiment aufgenommen.
Danke für die Info. Dann werd ich mich wohl demnächst wieder mit dem XSCF rumschlagen dürfen…
Da fällt mir noch was ein: man kann die M-Serie ja bei SUN und bei FSC bekommen. Die sind dann ja, so wie es aussieht von der Technik her Baugleich. SUN hat sich hier letztens als Hersteller der M-Serie dargestellt. Wenn ich dich aber richtig verstehe, kommt die komplette Technik von FSC…
nicht FSC, sondern Fujitsu…
Na gut, das ist zwar Haarspalterei – aber FSC produziert meines Wissens nach nur die PCs, Notebooks und X86/X64-Server (Primergy) selber. Die Primepower kommen von Fujitsu, das sich in Europa keinen eigenen Vertrieb leistet und mit Siemens kooperiert (FSC). Ausnahmen sind die Server mit T1 und T2 Prozessor, die sind von Sun. Siehe dazu auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Sparc64
Noch besser sieht man die auf eine Produktlinie getroffene Vereinbarung (Olympus product line OPL, später umbenannt in Advanced product line APL) in der CPU-Roadmap von Sun: http://www.heise.de/bilder/72072/0/1
Da sich die Rock-CPU wahrscheinlich verspätet dauert das Techtelmechtel mit Fujitsu wohl länger als Sun das gerne hätte…
Ok, danke für die Info.
Eine Anmerkung zu ELOM von SUN.
Alle Systeme haben den gleichen schweren BUG.
Über eine Webseite wird eine Java Applet gestartet und sieht quasi die Console – nur
Sonderzeichen wie Umlaute gehen nicht !!
Auch keine Pipe oder ähnliches. Steht die Maschine mit Solaris im Single User Mode ist man schon auf diese Zeichen angewiesen.
Ich möchte wissen ob das noch niemanden aufgefallen ist.
Calls bei SUN haben nichts ergeben – ist offensichtlich wurscht in den USA wirds ja gehen.
mfg
HS
kann ich bestätigen, daß es hier Probleme gibt… Gott sei Dank kann man bei Solaris zumindest Probleme bei der Installation umgehen indem man per shh auf das LOM geht und im Text-Modus installiert. Bei Linux und Windows hat man da eher Probleme.
Manche der LOM-Probleme werden aber mit Firmwareupdates ausgemerzt. Aus meiner Erfahrung würde ich das immer zuerst empfehlen. Eine weitere erfahrung: je neuer der Maschinentyp, desto mehr Bugs – aber das wird wohl jeder bereits wissen. Ich hatte z.B. mal das Problem, daß auf nem ILOM Probleme wie von dir genannt nur unter deutscher Tastatureinstellung am Rechner auftraten, mit deutsch/Österreich oder Schweiz gab es die nicht…
Alles Mist…