die another day oder 6 Jahre second life…

Demnächst kann ich ein Jubiläum feiern: knapp 6 Jahre second life, dem Tod sozusagen ein Schnippchen geschlagen… Wie kam es dazu?

Es beginnt harmlos: ein erholsamer Urlaub auf Isla de Margarita

Zusammen mit Cousin Jürgen wollte ich dem naß-kalten Dezember 2002 und der Arbeit entfliehen und flog für 2 Wochen auf die Insel Margarita. Als gewissenhafter Pauschaltourist besucht man natürlich zuvor www.fit-for-travel.de und stellt fest, daß es für Venezuela Impfempfehlungen gibt. Beim Arzt wird man dann nochmals aufgeklärt und bekommt die Impfung.

Hier der Hotelstrand:

Die Flasche 7up an der Tankstelle kostete mehr als die Tankfüllung für die Inselrundfahrt (im Video O-Ton Autoradio):

Gegen Ende des Urlaubs, am 12.12.02 war ein Ein-Tages-Ausflug aufs Festland nach Venezuela angesagt.

Flughafen

Flughafen

Der Flug ging über die Tafelberge, vorbei am höchsten Wasserfall der Erde, dem Salto Angel.

angel falls

angel falls

Gelandet wurde dann auf einer Dschungelpiste im Canaima-Nationalpark. Eine Bootsfahrt, Wanderung durch den Dschungel und ein kühlendes Bad standen hier auf dem Programm.

Canaima Nationalpark

Canaima Nationalpark

Die zahlreichen kleinen Wasserfälle im Park sind wirklich sehenswert.

Canaima Nationalpark

Canaima Nationalpark

Rückflug ungewiss?!?

Während des Urlaubs kam es zu Streiks gegen die Regierung von Hugo Chavez. Besonders betroffen waren davon Öl-Lieferungen. Eine interessante Erinnerung habe ich noch an die Wartehalle im Flughafen. Nach einigen Stunden Verspätung durften die ersten Passagiere in eine holländische Maschine einsteigen. Zur Lautsprecherdurchsage wurde geklatscht – hurra, es gibt noch Kerosin für Pauschaltouristen ;)

Erste Anzeichen

Während des Rückflugs nach Frankfurt und der darauf folgenden ICE-Fahrt nach Nürnberg fröstelte ich bereits, schob das aber auf den Temperaturunterschied. In Deutschland war es ca. 25°C kälter als zuvor in Venezuela. Zuhause angekommen wurde erstmal die Heizung angeworfen und dann recht bald ins Bett mit Schüttelfrost verkrümelt.

Am nächsten Tag war ich wie gerädert, hatte keine Kraft mehr das Gepäck auszupacken und stellte 38,5 °C Körpertemperatur fest. Etwas Spurensuche im Internet ergab eine auffallende Übereinstimmung der Symptome mit Malaria.

Verdacht auf Malaria

Also auf zum Hausarzt, der wohl ähnliche Schlüsse zieht und mich mit Verdacht auf Malaria in die Notaufnahme des Klinikum Neumarkt einweist. Dort wird ein Malaria-Schnelltest durchgeführt. In der Zwischenzeit liege ich bereits in einem Stationsbett geparkt und fühle mich immer kraftloser, das Fieber steigt auf 42 °C.

Das Ergebnis des Tests liegt vor: positiv. Nun ab in die Intensivstation: 1l Liter absolut ekelhaftes Abführmittel, vollgepumpt mit Chinin, verkabelt wie ein Christbaum und eine äußerst schmerzhafte Erfahrung reicher. Mittlerweile wird auch erkannt, dass die Pumpe nicht mehr so will wie sie soll. Unter 40% Herzfunktion ist übel. Gegen 3 Uhr trifft der behandelnde Arzt die Entscheidung, dass er mit seinem Latein am Ende ist und ordnet schnellstmöglich eine Verlegung an. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar…

im Eiltempo nach München

Murphys law schlägt zu: der Hubschrauber kann wegen dichtem Bodennebel nicht landen. Herzlichen Dank dafür an den Ludwigskanal… Also ab in den Süden auf vier Rädern.

Ich muss wohl eingenickt sein. Plötzlich befinde ich mich auf einer Intesivstation, die aussieht wie bei M*A*S*H. Ich bin also nun im Klinikum Schwabing / Fachbereich Infektiologie und Tropenmedizin. Rings um das Bett sind Tücher gespannt, zwischendurch kommt ein Arzt vorbei um meine Werte zu kontrollieren und erzählt schmutzige Witze um mich aufzuheitern. Nach gut einer Stunde steht fest, dass das wohl keine Malaria ist und auf dem dreiseitigen Ausdruck auch keine andere bekannte Krankheit positiv getestet ist.

Chinin wird also gestrichen, dafür Hardcore-Antibiotika und weitere Medikamente, die die Symptome des unbekannten Erregers bekämpfen sollen. Gut eine Stunde lang sieht es so aus als wäre die Mühe vergebens gewesen, meine Familie wird schon mal auf das Schlimmste vorbereitet.

second life

Nachdem ich diese Zeilen in meinem Blog veröffentliche, dürfte klar sein, dass es vor knapp 6 Jahren doch noch zu einem happy end für mich kam.

2x am Tag bekomme ich Transfusionen mit Antibiotika, die sich anfühlen als würde man von einer Dampfwalze überrollt. Weihnachten im Krankenhaus ist eine neue Erfahrung für mich. Nach einer Woche bekomme ich Krücken und fühle mich als hätte ich die Kondition eines 70jährigen. Bei der Abschlussuntersuchung am Ultraschall komme ich mit dem Arzt ins Gespräch, der mit Freuden feststellt, daß ich in der IT arbeite. Ich erkläre ihm also ein paar Fragen zum Thema Notebooks, er gibt mir dafür ausführlich Auskunft zu meiner Krankengeschichte und verrät noch, daß das Klinikum zur Zeit Leute für die SAP Basis suche. Einen Tag vor Silvester darf ich auf eigene Verantwortung nach Hause, absolute Ruhe ist nun für 14 Tage angesagt.

Diagnose

  • unbekannter tropischer Virus, Symptome ähnlich zu Malaria und Dengue-Fieber, Quelle unbekannt (Stechmücke, Wasserbad im Park, …)
  • Herzmuskelentzündung aufgrund der Infektion, bis unter 40% Herzleistung
  • bis zu 43°C Fieber
  • beginnende Lungenentzündung (ausgelöst durch die Klimaanlage im Flugzeug und das bereits geschwächte Immunsystem)

Wiedereingliederung in das Erwerbsleben

Nach meiner ersten Nacht im eigenen Bett beschliesse ich einkaufen zu gehen. Draussen ist es furchtbar kalter Winter. An der Supermarktkasse klappe ich fast zusammen, der Temperaturwechsel bekommt mir gar nicht.

Der Firma teile ich die Vorschläge meines Arztes mit: entweder mindestens noch 3 Wochen zuhause oder “Wiedereingliederung in das Erwerbsleben”, d.h. sanft steigende Arbeitszeit unter ärztlicher Beobachtung.

Letzteres wurde dann durchgeführt.

Fazit

Unterschätze die Krankheitsrisiken bei Reisen in exotische Urlaubsgebiete nicht. Die Impfempfehlungen geben nur die häufigst vorkommenden Risiken wieder, es gibt durchaus Krankheiten, die der Tropenmedizin noch nicht bekannt sind.

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4 Responses to die another day oder 6 Jahre second life…

  1. querdenker says:

    Hallo :)

    Also ich lese deinen Blog seit ca. 2 Jahren und es ist immer wieder sehr interessant! :)

    Ich bin froh, dass es dir heute wieder besser geht und du alles überwunden hast.

    Mach weiter so :)

    querdenker

  2. otmanix says:

    @Querdenker:

    Etwa 3 Monate nach besagtem Klinikaufenthalt war ich wieder nahezu auf gewohntem, niedrigen Fitnesslevel ;) . Es ist schon erstaunlich was man körperlich wegstecken kann.

    Ich freu mich natürlich auch wenn sich ein treuer Leser mit einem Kommentar zu Wort meldet. Zuletzt hat die Artikeldichte etwas nachgelassen weil die Projekte im Job etwas überhand genommen haben und dazu viele Wochenendaktionen anstanden.

    Gibts eigentlich ein Themengebiet, daß dich besonders interessiert?

    Gruß zurück, Otmanix

  3. querdenker says:

    Hallo

    Ja das stimmt! Mein bester Freund hatte Krebs und lag 1,5 Jahre im Krankenhaus… Heute ist er auch wieder fit :)

    Ja im Moment warte ich auf OpenSolaris 11/08 ;)
    Ansonsten bin ich sehr an ZFS, xVM Server und VmWare interessiert. VmWare haben wir bei uns in der Firma im Einsatz. Interessant ist auch die iSCSI Anbindung von Solaris an VmWare.

    querdenker

  4. Pingback: die Blutspur führt in die PR-Abteilung | Otmanix’ Blog

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